Offener Brief zur Bundestagswahl 2017

Offener Brief zur Bundestagswahl 2017

Sehr geehrte 1,47 Millionen ehemalige Nichtwähler, jetzt AfD-Wähler,
sehr geehrte ehrenamtliche und hauptamtliche, demokratische Politiker in der Bundesrepuplik Deutschland,

ich schreibe Ihnen heute einen Brief, weil ich es ehrlich gesagt statt habe mit Ihnen.

Warum, liebe ehemaligen Nichtwähler, machen Sie ihren Mund nicht auf, wenn Sie Probleme mit der Politik in diesem Land haben.
Warum artikulieren Sie Ihre Meinung nicht?
Warum gehen Sie nicht zu Ihren demokratischen Politikern, die um die Direkt-Mandate im Bundestag kämpfen und machen Ihrem Frust nicht mal ordentlich Luft?

Denn diese demokratischen Politiker sind es, die Politik machen, nicht die AfD mit Ihren inhaltslosen Biertisch-Phrasen.
Die AfD ködert Sie mit einfachsten Stammtisch-Parolen und Sie????
Sie fallen auch noch schön auf diesen alten… uralten Trick herein.

Ich finde auch nicht alles gut, was die Politik in Bund und Ländern in den letzten Jahren verzapft hat.
Aber wissen Sie, was ich viel, viel schlimmer finde?
Das eine rechts-radikal ausgelegte Partei, die im Bundestag andere Politiker „jagen“ möchte, von Ihnen, liebe ehemalige Nichwähler, auch noch eine Stimme bekommt.
Warum treten Sie Ihren demokratischen Politiker nicht selbst auf die Füße, das es kracht???

Mir steht der Schaum vor dem Mund, bei soviel Faulheit und Desinteresse.
Wenn mich etwas in diesem Land stört, dann muss ich aufstehen und den Politikern „da oben“ selbst auf die Füße treten und nicht AfD wählen.
Lassen Sie doch nicht andere Ihre Arbeit machen, sondern werden Sie selbst aktiv und tragen Sie dazu bei, dass Demokratie lebt.
Aber ist schon klar… schnell mal ins Wahllokal rennen, zwei Kreutzchen bei der AfD machen, ist einfacher, geht schneller und ist auch noch bequemer!!!
Oder den Deppen von Pegida nachlaufen und sich auf Demos instrumentalisieren lassen…

Kommen Sie mir jetzt bitte nicht damit, liebe ehemaligen Nichtwähler, dass durch die AfD die Opposition wieder mit Leben gefüllt wird.
Wenn das so wäre, dann frage ich mich, warum die AfD in den anderen Kreis- und Landtagen die Arbeit mit sinnlosen Anträgen oder Pöbeleien stört, anstatt konstruktiv mitzuarbeiten.
Sie glauben das nicht? Dann schauen Sie sich bitte mal den Quellennachweis am Ende dieses Briefes an, unter (2) und (3) werden Sie fündig.
Dies ist nur ein kleiner Auszug. Googlen Sie doch mal selbst, ich könnte Ihnen Berichte dieser Art bis morgen früh um die Ohren hauen.
Kommen Sie mit bitte auch nicht mit Lügenpresse und… und… und…
Hier gilt: Wenn Ihnen die Lügenpresse doch so auf den Sack geht, warum stellen Sie sich dann nicht selbst hin und fangen mit einer seriös recherchierten Bericht-Erstattung an?

Liebe Nichtwähler, wenn Sie sich durch die Gesellschaft oder die Politik abgehängt fühlen, dann müssen Sie doch selbst aktiv werden!
Oder sind Sie der Meinung, das die Anderen auf Sie warten oder ein großes Etwas sie aus Ihrem Loch zieht?
Ich fordere Sie auf: Kommen Sie endlich selbst in die „Puschen“ und lesen ihren demokratischen Volksvertretern selbstständig und ohne Zuhilfenahme von anderen Personen die Leviten! Machen Sie den demokratischen Politikern selbstständig Dampf!

Auf der anderen Seite kann ich aber auch die demokratisch arbeitenden Politiker nicht verstehen… und damit spreche ich ALLE demokratisch arbeitenden Politiker an.
Egal ob Ortsbeirat, Bürgermeister, (demokratische) Mitglieder von Stadt-, Kreis-, Land-, oder Bundestag.

Warum nehmen Sie die Sorgen Ihrer Wähler nicht ernst?
Gerade in den ländlichen Gegenden hat die AfD Stimmgewinne verzeichnet, die jenseits von gut und böse liegen?
Gerade die Politiker, die an der Basis sitzen, müssen sich die Zeit nehmen, um wieder mit den Menschen zu reden!
Und damit meine ich nicht nur den schnellen Smalltalk im Supermarkt beim alltäglichen Einkauf oder bei einem zufälligen Treffen auf offener Straße.
Einen solchen Smalltalk setzte ich als Bundesbürger und Wähler bei Ihnen, liebe Politiker, schlichtweg voraus.
Warum stellt sich denn kein Politiker außerhalb des Wahlkampfes mal in die Fußgängerzone oder vor den Supermarkt und redet mit Passanten oder kommt zum wöchentlichen Stammtisch?

Sie, liebe Politiker, müssen auch ein Schritt auf die Menschen zugehen, die sich in diesem Land abgehängt oder missverstanden fühlen.
Wie kann es sein, dass Politiker nur vor einer Wahl mit den Wählern sprechen?
Ich habe im Wahlkampf an jeder Ecke Wahlkampfstände von allen möglichen Parteien gesehen.
Jetzt, nach der Wahl, keinen einzigen mehr. Wo bleiben Ihre Gesprächsangebote jetzt?
Gerade nach dieser Wahl wäre es wichtig, und meiner Meinung nach auch Ihre verdammte Pflicht, liebe Politiker, im 1zu1-Gespräch mit den Bürgern, draußen an der sogenannten „Basis“, Farbe zu bekennen.
Ich verlange von Ihnen Erklärungen, wie dieses Wahlergebnis zustande kommen konnte.
Was gedenken Sie zu ändern, damit so etwas nach der nächsten Wahl nicht mehr passiert?

Meiner Meinung nach hat das Nicht-Ernst-Nehmen dieser über 12 % der AfD-Wähler zum Erfolg dieser Partei geführt.
Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit diesem blöd Spruch „Wir sind 87 %“. Jeder Prozentpunkt, den Parteien, die rechts der CDU angesiedelt sind, erreichen, ist 1 Prozentpunkt zuviel.
Die Aussage „Wir sind 87%“ zeigt doch wieder, dass trotz des Wahlerfolges der AfD, die Menschen, die solche Sprüche posten, den Ernst der Lage nicht verstanden haben.
„Wir sind 87%“ bedeutet meiner Meinung nach: „So groß ist der Wahlerfolg der AfD doch garnicht…“
Ich frage Sie, liebe Politiker: Wurde am 14. September 1930 von vielen demokratischen Wählern auch gedacht „Wir sind 82 %“???
Damals erreichte die NSDAP in der Weimarer-Republik auch nur 18,3 % der Stimmen im Reichstag! (4)
Augenscheinlich wurden damals die selben Fehler begangen wie heute. Die NSDAP wurde nicht ernst genommen.
Was sich aus dieser fatalen Sorglosigkeit entwickelt hat, lernt derzeit jeder Schüler, spätestens in der 10. Klasse!

Liebe Politiker, ich fordere Sie auf, endlich von Ihrem hohen Ross abzusteigen und auch außerhalb des Wahlkampfes sich den Fragen und Sorgen Ihrer Wähler zu stellen.
Außerdem müssen WIR ALLE die Entwicklung der AfD sehr ernst nehmen und müssen versuchen, alle Wähler, die Ihre Stimme einer Partei rechts der CDU gegeben haben, von Ihrem Irrweg abzubringen. Wir müssen versuchen, diese Personen wieder in die Mitte unserer demokratischen Gesellschaft zu holen.
Solange dies nicht geschieht, wird die AfD weiterhin einen hohen Zulauf erhalten und in unseren Parlamenten weiter und weiter erstarken.

Ich mache heute den Anfang!
Jeder Rechts-Wähler, egal ob ehemaliger Nichtwähler oder überzeugter Wähler ist eingeladen, mit mir konstruktiv darüber zu diskutieren, was sich verändern muss, damit niemand zukünftig einer Partei, die rechts der CDU angesiedelt ist, seine Stimme geben muss.

Mit freundlichen Grüßen, Heiko Hermann

P.S.: Wenn in diesem Brief nur die männliche oder nur die weibliche Anrede verwendet wird, dann geschieht dies der Einfachheit halber. Natürlich spreche ich mit meinem Brief alle Geschlechter an.

 

Quellennachweis:
(1) = http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/wahlverhalten-bundestagswahl-wahlbeteiligung-waehlerwanderung
(2) = http://www.focus.de/politik/deutschland/stuttgart-afd-politiker-stoert-rede-von-gruenen-politikerin-und-wird-aus-plenarsaal-geworfen_id_6764218.html
(3) = http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-und-homosexuelle-aufregung-im-landtag-von-sachsen-anhalt-a-1095785.html
(4) = https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahlen_in_Deutschland

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