WLAN-Signal verbessern

Allgemeines
Da wir in meinem Heimatort auf Glasfaser umgestellt wurden, bekam ich in den letzten Monaten sehr viele Anfragen zum Thema, wie man zu Hause sein WLAN-Signal verbessern kann.
Ein starkes WLAN-Signal ist notwendig, um mehr Bandbreite (also mehr Geschwindigkeit) an das Endgerät zu bekommen. Bei einem schwachen WLAN-Signal kommt also entsprechend weniger Bandbreite ( Geschwindigkeit ) an. Man sagt dann auch oft umgangssprachlich: “ Ich habe ein schlechtes WLAN“
Grundsätzlich sollte deine Maxime bei diesem Thema lauten:

„Bringe soviel Bandbreite (also Geschwindigkeit) zu deinen Endgeräten (Smartphone, Tablet, Fernseher usw.), wie nur möglich“

Wie du das schaffst, und was du beachten solltest, wenn du dein WLAN verbessern willst, erfährst du in diesem Beitrag.

In Zeiten von Glasfaser reden wir von Geschwindigkeiten jenseits der 100 Mbit-Grenze, was mich zum ersten wichtigen Punkt bringt.

Die Verkabelung vor dem WLAN-Signal
Vielen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass es im Kabel vor dem WIFI – Signal schon zu Verlusten der Bandbreite kommen kann. Wenn ich einen Glasfaser-Tarif mit einer Geschwindigkeit von 1.000 Mbit im Download habe und verwende für die Zuleitung vom Hausübergabepunkt zum Router ein altes Cat5-Netzwerkkabel, dann beraube ich mir noch bevor das Signal am Router ankommt, die teuer erkauften 1.000 Mbit, denn ein Cat5-Kabel kann nur 100 Mbit maximal übertragen (1). Welche Cat-Bezeichnung dein verwendetes Kabel hat, steht immer seitlich auf dem Kabel drauf. Eine Übersicht, welche Geschwindigkeiten, welches Cat-Kabel hat, findest du unter (1).
Ich empfehle für diesen Bereich immer ein Cat7-Kabel zu verwenden. Hier bist du relativ zukunftssicher, denn dieses Kabel kann bis zu 10 GB, also umgerechnet ca. 80.000 Mbit pro Sekunde übertragen. Das sollte selbst für zukünftige Glasfaser-Tarife vorerst reichen.

Location… Location… Location
Okay, wir haben unser Internet-Signal nun vom Hausübergabepunkt sicher und verlustfrei zum Router gebracht. Hier lauern aber bereits die nächsten Gefahren.
Denn bevor auch nur ein einziges Bit über die WLAN-Antenne kommen kann, muss der korrekte Standort ermittelt werden.
Nicht geeignete Standorte für einen Router sind:

  • In der Nähe von Metallgegenständen oder Metallgeräten, die elektromagnetische Wellen ausstrahlen (Mikrowelle usw.). Metall ist der Hauptstörfaktor für WLAN-Signale
  • Glas, Kunststoffe, Schaumstoffe oder Pappe können das WLAN-Signal ebenfalls stören. Tendenziell ist deren negativer Einfluss aber geringer als bei Metall
  • In manchen Gebäuden werden Metallbalken für die Montage der Decken verwendet. Hier muss auch mit mehr Verlusten gerechnet werden, wenn zwischen 2 Stockwerken ein WLAN-Signal ausgetauscht werden soll
  • Halte auch Abstand zu Stromleitungen. Diese können das WLAN-Signal ebenfalls abschirmen

Idealerweise platzierst du deinen Router in der Mitte der Wohnung, so hoch, wie es bautechnisch möglich ist.
Wenn dein Router auf dem Fußboden steht, verliert er die Fähigkeit, starke WLAN-Signal auszusenden. Dies hängt unter anderem mit der verwendeten Funk-Frequenz zusammen.
WLAN-Signale werden von der Antenne des Routers in alle Richtungen horizontal und vertikal abgestrahlt. Willst du dein WLAN-Signal in ein Stockwerk darüber bringen, solltest du den Router recht nah an der Decke des unteren Stockwerks platzieren.

Der Router:
Okay, wir haben den perfekten Router-Standort gefunden. Weiter geht es mit dem Router selbst.
Wenn du die Nachrichten aufmerksam verfolgst, ist dir sicherlich schon aufgefallen, dass sich die Meldungen häufen, dass Firmen und Privatpersonen einer wachsenden Anzahl von Malware-Angriffen ausgesetzt sind. Diese Angriffe wären in einem solchen Umfang nicht möglich, wenn alle Router immer auf das letzte Update aktualisiert wären.
Sobald eine Schadsoftware einen Router befallen hat, kann diese Bandbreite stehlen. Außerdem können Updates dazu beitragen, dass der Router die Signale schneller und besser verarbeiten kann. Deshalb schaue in regelmäßigen Abständen in die Benutzeroberfläche deines Routers, ob es Software-Updates gibt. Wie du dich in deinen Router einloggst, erfährst du am besten in der Bedienungsanleitung deines Routers.
Achte auch darauf, dass, sofern möglich, die Stärke des ausgesendeten WLAN-Signals auf Maximum steht. Wie du die Sendeleistung deines Routers veränderst, erfährst du ebenfalls im Handbuch deines Routers.
Ein zeitloser Rat, wenn etwas im IT-Bereich nicht funktioniert lautet:
„Neustart“
Also starte deinen Router von Zeit zu Zeit neu. Aber bitte nicht einfach den Stecker herausziehen und wieder hineinstecken. Dies kann zu Schäden am Router führen.
Jeder Router hat in seiner Software die Möglichkeit eines weichen Neustarts verbaut. Hierbei beendet der Router zuerst sämtlich Kommunikation per WLAN und ins Internet, und startet dann erst neu. Du musst dich dafür nur in die Weboberfläche deines Routers einwählen und nach dem Neustart suchen. Ein Neustart bereinigt den internen Speicher des Routers und schafft z.B. Platz für neue Updates.

Leistungfähigere WLAN-Antenne besorgen
Du hast einen Router mit einer sichbaren Antenne am Gerät? Dann überprüfe, ob diese Antenne abschraubbar ist. Falls dies der Fall ist, muss sich die Antenne mit einem einfache Dreh, wie ein Schraube, vom Gewinde lösen lassen. Falls dies nicht möglich ist, dann bitte nicht mit Gewalt herausdrehen. Ggf. ist deine Antenne nicht abschraubbar und du beschädigst mit diesem Versuch die Antenne irreparabel und kannst kein WLAN mehr nutzen.
Falls die Antenne abschraubbar ist, dann besorge dir eine größere WLAN-Antenne und achte darauf, dass die neue Antenne den selben Anschluß hat.
Achte darauf, dass deine neue Antenne eine höhere Verstärkung wie deine alte Antenne hat. Die Verstärkung wird in dBi (2) angegeben. DBi steht für Dezibel in bezug auf einen Isotropen Strahler (2). Die meisten Antennen für Heimrouter besitzen eine Verstärkung von ca. 4 dBi. Wenn diese ersetzt durch eine Antenne mit 9 dBi, hast du bereits eine sehr gute Signalverstärkung.

Weg mit den WLAN-Saugern
Ein verschlüsseltes WLAN sollte heutzutage der Standard sein. Mehr und mehr Menschen verlassen sich auf WLAN. Entsprechend hoch ist der Wunsch nach einem schnellen WLAN. Wenn du dich in deiner Nachbarschaft mit deinem schnellen WLAN brüstest, dann sei dir sicher, das deine Nachbarn auch bei dir mitsurfen wollen. Also, erstelle dir ein hinreichend sicheres WLAN-Passwort aus mindestens 12 Stellen, bestehend aus Buchstaben (groß und klein), Zahlen und Sonderzeichen.
Wenn du öfters Gäste zuhause hast, denen du WLAN anbieten möchtest, dann erstelle ein separates Gastnetzwerk in dem die Bandbreite begrenzt ist.

WIFI-Technologien
Die aktuelleste WIFI-Technologie nennt sich IEEE 802.11ac (3). Sie bietet hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und höhere Reichweiten im Vergleich zu den Technologien IEEE 802.11b (4), g (5) und anderen.
Achte darauf, dass du immer diese Übertragungstechnologie am Router und an den angeschloßenen Endgeräten verwendest. Wenn du einen neuen Router kaufst, achte darauf, dass die o.g. Technologie unterstützt wird. Entscheide dich nicht für das günstigste Modell. Es lohnt sich immer, etwas mehr Geld auszugeben um dann Gastnetzwerke, austauschbare Antennen usw. zu haben.

WLAN-Kanal wechseln
Es gibt in Deutschland verschiedene Frequenzen, auf denen ein WLAN-Funknetz betrieben werden kann. Die Frequenzen sind in Kanäle eingeteilt. Du musst dir das wie die Spuren einer Autobahn vorstellen. Je mehr Autos (also WLAN-Router) auf einem Kanal funken, umso langsamer geht es auf dieser Spur zu. Das betrifft nicht nur deinen Router, sondern auch alle anderen Router, die auf diesem Kanal senden und empfangen. Eine sehr gute Übersicht aller WLAN-Netze, die sich auf dem selben Kanal befinden, liefert die Android-App WIFI-Analyzer (6). Einfach auf dem Handy installieren und das Handy neben den Router legen und die App starten. Nach einigen Sekunden siehst du, mit wem du dir den Kanal teilst. Suche dir jetzt am besten einen Kanal aus, auf dem wenig bis garkein WLAN-Netzwerk auftaucht. Die Einstellung dieses Kanals nimmst du auch wieder in deinem Router vor.

2,4 GHz, 5 GHz oder 6 GHz?
Das nächste Problem wird sein, dass wenn du städtisch wohnst, du sehr viele WLAN-Netze auf einem Kanal haben wirst, speziell im 2,4 GHz-Frequenzbereich. Die ist das älteste Frequenzband in Deutschland. Die neueren Router besitzen auch die Möglichkeit, auf das 5 GHz-Frenquenzband oder sogar das 6 GHz-Frequenzband auszuweichen. Grob gesprochen, kann man sagen:
Je höher die Frequenz, umso bessere Bandbreite, also Geschwindigkeit ist möglich.

Bandbreitenhungrige Apps
Du benötigst nur eine einzige bandbreitenhungige App auf einem einzigen Gerät im WLAN, um die WLAN-Geschwindigkeit für alle Nutzer in deinem WLAN-Netz merklich zu mindern. Moderne Router unterstützen zwar Dienste wie QoS (7), die Nutzern erlauben, bestimmte Anwendungen gegenüber anderen zu bevorzugen.
Mit QoS (7) wird z.B. eine Online-Gaming-Session nicht unterbrochen, wenn ein anderer User z.B. ein Vodeo  in HD streamen möchte.
Wenn du in deinem Router diese Einstellungen ändern möchstest, dann suche in den Einstellungen am besten nach „QoS“ (7).

WLAN-Repeater (8)
Wenn alle diese Maßnahmen nicht helfen, dann gibt es noch einen letzten Weg, wie du ein gut funktionierendes WLAN-Netz aufbauen kannst. Den sogenannten WLAN-Repeater (8). Ein WLAN-Repeater (8) empfängt, grob gesagt, das Signal von deinem Router und baut damit ein neues WLAN-Netz mit eigener Reichweite auf. Somit vergrößerst du ganz einfach dein WLAN-Netz.
Deinen WLAN-Repeater (8) positionierst du am besten dort, wo der Empfang deines WLAN-Signals nur ca. 50-75% beträgt. Den Ort kannst du am besten auch wieder mit der App WIFI-Analyzer (6) herausfinden.
Der WLAN-Repeater ist als allerletze Lösung anzusehen, da er zwar die Reichweite vergrößert, er aber die sogenannten Ping-Zeiten (9) (also die Antwortzeiten des Internetservers) bedingt durch den längeren Signalweg, in die Höhe treibt. Gerade beim Gaming sind niedrige Pingzeiten sehr wichtig. Ping-Zeiten unter 10 mS gelten als schnell, bis ca. 30 mS werden als normal definiert und alles über 30 mS gilt als langsam.

Zusammenfassung:

  • Dein Ziel soll sein: Es soll soviel Bandbreite bei so vielen Endgerätenwie möglich, an möglichst vielen Orten  ankommen.
  • Achte auch auf die Verkabelung zwischen Hausübergabepunkt und Router.
  • Suche einen geeigneten Standort für deinen Router.
  • Halte die Software deines Routers immer aktuell und starte deinen Router regelmäßig neu.
  • Verschlüssle dein WLAN und nutze die neueste WIFI-Technologie.
  • Suche dir einen freien WLAN-Kanal auf einem der neueren WIFI-Frequenzbänder.
  • Begrenzte breitbandhungrige Apps.
  • Nutze WLAN-Repeater, falls alles andere nicht hilft.

Hast du Fragen zur Einrichtung deines WLAN-Netzes oder du benötigst bei der Einrichtung Hilfe, dann kontaktiere mich hier.

Quellennachweis:
(1) = https://community.fs.com/de/blog/quick-view-of-ethernet-cables-cat-5-cat-5e-and-cat-6.html
(2) = https://de.wikipedia.org/wiki/Antennengewinn
(3) = https://de.wikipedia.org/wiki/IEEE_802.11ac
(4) = https://de.wikipedia.org/wiki/Wireless_Local_Area_Network#IEEE_802.11b
(5) = https://de.wikipedia.org/wiki/Wireless_Local_Area_Network#802.11g
(6) = https://play.google.com/store/apps/details?id=abdelrahman.wifianalyzerpro&hl=de
(7) = https://de.wikipedia.org/wiki/Quality_of_Service
(8) = https://de.wikipedia.org/wiki/Repeater#WLAN-Repeater
(9) = https://www.sparhandy.de/dsl/info/ping-wert/

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